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Die Legislaturperiode im Rückblick

wie im Fluge sind die letzten drei Jahre und damit auch die Amtsperiode des jetzigen Vorstandes vergangen. Langeweile ist dabei nie aufgekommen – im Gegenteil, es war eine überaus aktive Zeit sich überschlagender Ereignisse und die intensivste Periode, die ich in den letzten 15 Jahren eigener Vorstandstätigkeit überhaupt erlebt habe.

Eigentlich war „nur“ eine Amtszeit mit einem „business as usual“ zu erwarten gewesen. Die großen Jubiläen waren bereits feierlich begangen worden, größere Höhepunkte zeichneten sich nicht ab, gerade die richtige Zeit, um die tagtäglichen Amtsgeschäfte zu hinterfragen und, wo möglich, zu optimieren sowie das wissenschaftliche Profil unserer Gesellschaft zu schärfen. Aber dann kam alles ganz anders…

 

Insgesamt war die Vorstandsperiode geprägt durch

  • das Ausscheiden von wesentlichen Erfahrungsträgern aus dem letzten Vorstand (5/9 Mitgliedern sind ausgeschieden)
  • die Notwendigkeit der Schaffung einer neuen Geschäftsstelle
  • eine Knappheit der finanziellen Ressourcen und
  • den dadurch notwendig gewordenen Verzicht auf eine Tagungsgesellschaft bei 2 der 3 Jahrestagungen
  • den Germanwings-Unfall, der die Flugmedizin weltweit vor neue Herausforderungen gestellt hat,
  • das Ausscheiden des Hauptgesellschafters (Lufthansa Commercial Holding GmbH) und des Geschäftsführers der DAF
  • den Erwerb der DAF durch die DGLRM
  • die Umstrukturierung der zivilen flugmedizinischen Ausbildung in Deutschland und
  • eine schleppende Novellierung der Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer, die bis heute nicht abgeschlossen ist.

 

Mit dem Ausscheiden wichtiger Erfahrungsträger aus dem vorangegangenen Vorstand war zwar einerseits die Chance verbunden, den Vorstand altersmäßig deutlich zu verjüngen, andererseits aber musste eigene Expertise in diesem Vorstand erst einmal aufgebaut werden, um effizient arbeiten zu können. Die unerwartet heftigen äußeren Einflüsse ließen ihm dafür allerdings nur wenig Zeit.

Da das aus vorangegangenen Wahlperioden erarbeitete finanzielle Polster, in der unserer Amtsperiode vorangegangenen Zeit weitgehend abgebaut werden musste, um nicht die Gemeinnützigkeit unserer Gesellschaft zu gefährden, waren die finanziellen Mittel, mit denen der Vorstand wirtschaften konnte, nicht sehr groß und erlaubten daher keine großen Sprünge. Alle Überlegungen zielten daher darauf ab, die finanzielle Situation der Gesellschaft zu stabilisieren und nicht über Gebühr zu belasten. Deshalb war die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in dieser Legislaturperiode auch nur sehr begrenzt möglich.

Da auch Frau Mittelstädt, die Leiterin der ersten Geschäftsstelle unserer Gesellschaft, für diese Tätigkeit nicht mehr zur Verfügung stand, musste eine neue Geschäftsstelle geschaffen werden. Der Vorstand hat sich in dieser Situation dafür entschieden, den Versuch zu wagen, die Geschäftsstelle örtlich getrennt vom Vorstand zu etablieren. Obwohl dies von manchen Vorstandsmitgliedern zunächst kritisch gesehen wurde, hat sich dieses Konzept bisher bewährt. In der Person von Frau Gens haben wir eine Leiterin der Geschäftsstelle gewinnen können, die als ständige Ansprechpartnerin für unsere Mitglieder zur Verfügung steht. Momentan nimmt Frau Gens zwar ihre Elternzeit in Anspruch und wird deshalb von Herrn Teichert vertreten, plant aber eine Rückkehr in dieses Amt. Bereits nach kurzer Einarbeitungszeit hat das Team Gens/Teichert auch die eigenständige Organisation der Jahrestagungen in Braunschweig und Bückeburg übernommen. Durch den auf diese Weise möglich gewordenen Verzicht auf eine Tagungsgesellschaft konnte so für die DGLRM ein größeres Einsparpotential realisiert werden. Dieses hat es uns letztendlich überhaupt erst ermöglicht, das Geld für den Erwerb der Gesellschafteranteile der Lufthansa Commercial Holding GmbH an der Deutschen Akademie für Flugmedizin (DAF) aufzubringen und so eine Liquidation der DAF zu verhindern. Insbesondere im letzten Jahr unserer Amtsperiode ist im Zuge dieser Übernahme der Gesellschafteranteile der DAF durch die DGLRM überdurchschnittlich viel und zum Teil auch sehr zeitkritische Arbeit in der Geschäftsstelle zu erledigen gewesen. Immer konnte ich dabei auf Frau Gens und Herrn Teichert bauen und bedanke mich für die geleistete Arbeit und die vertrauensvolle Zusammenarbeit auch im Namen der anderen Vorstandsmitglieder ganz herzlich!

 

Trotz der angeführten Widrigkeiten, vielleicht aber auch gerade durch diese, ist es uns gelungen, insbesondere das wissenschaftliche Profil unserer Gesellschaft in dieser Zeit zu schärfen.

Eine eigene Fortbildungsakademie sorgt nicht nur für die Ausbildung des flugmedizinischen Nachwuchses, sondern auch für die ständige Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte. „Lernen in der eigenen Lehrveranstaltung“ funktioniert nicht nur an Universitäten und Fachhochschulen.

Seit 2015 gibt es auf der AsMA-Tagung zwei wissenschaftliche Sitzungen, die durch die DGLRM ausgerichtet werden, die traditionell deutschsprachige und eine weitere englischsprachige Sitzung. Auf diese Weise konnten wir unsere Gesellschaft auch im Ausland gut repräsentieren. Ich bin Herrn  Prof. Hinkelbein sehr dankbar dafür, dass er die, nicht immer einfache, Organisation dafür übernommen hat und es ihm auch für 2017 wieder geglückt ist, zwei Sitzungen ins Leben zu rufen.

Auch im Inland ist es uns besser gelungen, die Flugmedizin wieder mehr in den Focus der Öffentlichkeit zu rücken. Herr Oberstarzt Dr. Pippig hat seine Tätigkeit im Editorial Board der FTR dazu genutzt, um wieder mehr flugmedizinisch ausgerichtete Artikel in diesem für uns sehr wichtigen Organ zu platzieren. Wir alle wissen, dass dies bei der großen Belastung, der derzeitig viele von uns ausgesetzt sind, nicht einfach war. Vielen Dank für dieses Engagement!

2015 ist das von unserem Mitglied Jörg Siedenburg und Thomas Küpper herausgegebene umfangreiche Handbuch „Moderne Flugmedizin“ im Gentner-Verlag erschienen. Es ist das erste umfangreichere deutschsprachige Werk seit fast 13 Jahren, das sowohl für den tätigen Flugmediziner in seiner Praxis als auch als Nachschlagewerk für alle an der Luft- und Raumfahrtmedizin Interessierten bestens geeignet ist. Es ist ein Gemeinschaftswerk, an dem viele unserer Mitglieder mitgewirkt haben und das damit auch unsere Fachgesellschaft weiter voran gebracht hat.

Das wissenschaftliche Leben unserer Gesellschaft spielt sich vor allem auch in unseren Arbeitsgruppen ab. Hier haben wir uns in der jetzigen Vorstandsperiode von nicht mehr aktiven Arbeitsgruppen getrennt und zwei weitere neue Gruppen gegründet. Zum einen wurde eine AG aus der Taufe gehoben, die sich mit den besonderen Aspekten der Militärischen Flugmedizin und extremen Umwelten beschäftigt. Arbeitsgruppenleiter ist unser Vorstandmitglied Herr Oberstarzt Dr. Pippig vom Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe.

Die zweite neu gegründete AG hat sich zum Ziel gesetzt, Leitlinien, Empfehlungen und Standards in der Flugmedizin auf wissenschaftlicher Grundlage, d.h. möglichst evidenz- und konsensbasiert zu erarbeiten. Sie wird von Herrn Prof. Hinkelbein und Herrn OTA a.D. Dr. Grell geleitet. Uns allen war bei der Gründung dieser AG klar, dass dies keine einfache Aufgabe sein wird. Deshalb freute es mich umso mehr, dass die DGLRM seit 2015 als Mitglied in die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF) aufgenommen wurde. Diese ist die in Deutschland verantwortliche Arbeitsgemeinschaft, die die Leitlinienerstellung koordiniert und begleitet. Pünktlich zu unserer diesjährigen Jahrestagung war dann auch die erste Leitlinie zum Thema „In-flight cardiopulmonary resuscitation during commercial air transport: Consensus statement and supplementary guidline from the German Society of Aerospace Medicine (DGLRM) durch die AG erstellt und von der AWMF als S2-Leitlinie akzeptiert worden. Dies ist ein großer Erfolg, zu dem man nur gratulieren kann!

Auch unsere AG „Geschichte der Luft- und Raumfahrtmedizin“ kann auf erfolgreiche Jahre zurückblicken. Der Leiter dieser AG, Herr Dr. Harsch hat in den letzten zwei Jahren zwei Bücher herausgegeben, die einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der Flugmedizin darstellen und unser Wissen auf diesem Gebiet sehr bereichert haben. Ein Buch befasst sich mit dem Leben des Flugmediziners Herrmann von Schrötter und das andere mit der Arbeit der medizinischen Abteilung der Erprobungsstelle der Luftwaffe (EMed) in Rechlin in den Jahren 1934 – 1944. Ich kann Ihnen die Lektüre beider Bücher nur wärmstens ans Herz legen.

Die Kooperation mit der ESAM, die in diesem Jahr ihr 10-jähriges Bestehen gefeiert hat, konnte weiter ausgebaut werden. Zum einen wurde Herr Prof. Hinkelbein bei den diesjährigen Wahlen zum Vorstand erneut in seinem Amt als Schatzmeister bestätigt. Daneben engagiert sich Frau Dr. Stern schon seit 2014 im Advisory Board und ich selbst bin zum Kassenprüfer gewählt worden. Im Rahmen der Überlegungen zur Fortführung der DAF wurde uns vom jetzigen Präsidenten der ESAM, Anthony Wagstaff, eine Zusammenarbeit und Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Lehrkräften angeboten und im Basic course auch bereits realisiert.

 

Ich brauche an dieser Stelle nicht zu betonen, wie sehr uns alle der Germanwings-Unfall erschüttert hat. Er hat die Flugmedizin mit einem Schlag in einen Focus der Öffentlichkeit gerückt, den sie so nicht gewollt hat. Seine Folgen für die Arbeit von Behörden, die Lizensierung des fliegenden Personals ganz allgemein und die Ausbildung von Flugmedizinern waren weltweit einschneidend. Wir als Gesellschaft sind durch ihn wieder mehr mit den die Aufsicht führenden Behörden und den Verantwortlichen für die Flugmedizin im zuständigen Referat des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur ins Gespräch gekommen. Die Podiumsdiskussion zum Thema „Quo vadis Flugmedizin?“ auf unserer Jahrestagung in Braunschweig hat erstmals seit langer Zeit wieder Verantwortliche aus den verschiedenen Ressorts an einen Tisch gebracht und viele neue Diskussionen angestoßen. Im Ergebnis dieser Podiumsdiskussion ist auch die Idee entstanden, auf unseren Jahrestagungen eine Sitzung unter dem Titel „Neues aus Brüssel – Das BMVI berichtet“ fest ins Programm einzubauen. Die erste Sitzung dieser Art hat in diesem Jahr in Bückeburg stattgefunden und ist bei unseren Mitgliedern sehr gut angekommen.

 

Neben den bereits genannten Aktivitäten hat der Vorstand in dieser Wahlperiode noch eine neue Geschäftsordnung erarbeitet und verabschiedet und ist im Moment dabei, die Verfahren zur Ehrung verdienter Mitglieder unserer Gesellschaft zu formulieren und auf den Weg zu bringen. Wie sie bereits wissen, wurden die Eintrittsdaten und das Alter unserer Mitglieder auf der Grundlage unseres aufgearbeiteten Archivs in einem von Prof. Hinkelbein initiierten studentischen Projekt ausgewertet und bereits auf unserer Jahrestagung in Bückeburg vorgestellt. Auf dieser Grundlage haben wir jetzt Urkunden in Anerkennung langjähriger Mitgliedschaft in unserer Gesellschaft erstellen können. Die ersten werden wir im Januar aussenden. Auch ein Verfahren zur Ehrung von Mitgliedern, die sich besonders um das Ansehen und die Weiterentwicklung der DGLRM verdient gemacht haben, wurde im Vorstand erarbeitet. Es ist geplant, die erste Ehrennadel unserer Gesellschaft auf unserer nächsten Jahrestagung zu vergeben. Im Vorfeld werden wir alle Mitglieder der Gesellschaft jedoch mit dem geplanten Vergabeverfahren vertraut machen.

Daneben haben wir am Ende dieser Legislaturperiode auch noch die dringend notwendig gewordene Überarbeitung der Homepage abschließen können. Ich hoffe, dass Ihnen das Ergebnis auch so gut gefällt wie mir. Herr Andreas Pongratz, der unsere Homepage schon seit Jahren betreut und mit viel Engagement pflegt, hat viele Stunden seiner Freizeit geopfert, um diese auf den jetzigen, modernen Stand zu bringen. Dafür möchte ich ihm auch in Ihrem Namen ganz herzlich danken.

 

Carla Ledderhos

 

Anschrift

DGLRM e.V., Niels Adams, Postfach 41 02 04, 50862 Köln

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