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Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin trauert um ihren ehemaligen Präsidenten

Am 18.01.2020 erreichte uns die traurige Nachricht das Prof. Dr. med. Jürgen Kriebel verstorben sei.

Aus diesem Anlass geben wir die Laudatio von Prof. Dr. med. Hans Pongratz auf der 57. Jahrestagung der DGLRM e.V. wieder, gehalten für die Auszeichnung von Prof. Dr. med. Jürgen Kriebel mit der Goldenen Ehrennadel der Gesellschaft. 

Laudatio für Prof. Dr. Jürgen Kriebel von Prof. Dr. Hans Pongratz

auf der 57. Wissenschaftlichen Jahrestagung der DGLRM e.V. in Berlin-Schönhagen am 25.10.2019:

„Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Vorstandsmitglieder, geschätzte Festversammlung,

es ist mir eine besondere Ehre und Freude, die Laudatio für den Preisträger der heute die Ehrennadel der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin für seine langjährigen Verdienste um die Gesellschaft verliehen bekommt, zu halten. Um die Spannung und das Geheimnis noch kurz zu bewahren, hoffe ich, dass es für den Betroffenen genauso überraschend ist, wie für mich letztes Jahr bei der Jahrestagung in Speyer.

Die Verleihung der Ehrennadel erfolgt einmal im Jahr auf Jahrestagung der DGLRM.

Es wird sicher nicht ganz leicht sein, einem so verdienten und vielseitigen Kollegen in allen Facetten seines Wirkens gerecht zu werden.

Ich freue mich besonders, dass unser Mitglied im Jahr seines runden Geburtstages diese Ehrung mit einstimmigen Beschluss des Vorstandes der DGLRM erhält.

Nun lüfte ich das Geheimnis: Es handelt sich um Prof. Dr. Jürgen Kriebel!

Im Folgenden darf ich ihnen seine Vita vorstellen.

Nach Schule und Abitur tratest Du 1960 in die Bundeswehr, in das Offiziersanwärterbataillon der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck, zur Grundausbildung ein.

1961 kamst Du an die Offiziersschule der Luftwaffe, damals noch Neubiberg, und dann zum Fluganwärterregiment in Uetersen.

Dort machtest Du die fliegerische Auswahlschulung und erwarbst den Luftfahrerschein. Deine ersten Kontakte mit der Fliegerei hattest Du ja schon auf Burg Feuerstein sammeln können.

Zu deinem Berufsziel „fliegender Fliegerarzt“ gab es noch einige Hürden und Umwege.

Nach Deiner Beförderung zum Leutnant warst Du im Luftwaffenausbildungsregiment und dann Kompanieoffizier und stellvertretender Inspektionschef an der Sanitätsakademie München.

Im Jahre 1966, nach Deiner Ernennung zum Oberleutnant der Reserve, konntest Du als Stipendiat der Bundeswehr Dein Studium der Medizin in München, Innsbruck und Heidelberg durchführen.

1969 legtest Du Dein Staatsexamen in München mit dem Prädikat „sehr gut“ ab.

Die Luft- und Raumfahrtmedizin ließ Dich nicht los und so arbeitetest Du zielstrebig weiter auf diesem Gebiet. Du warst von Januar bis Juni 1969 als Junior Scientist am Department of Pathology an der University of Minnesota, Minneapolis.

Dein Arbeitsgebiet waren chronobiologische Untersuchungen in Bezug auf Luft- und Raumfahrtmedizin, die von der NASA gesponsert wurden. Hier schlossen sich Studien am Institut von Professor Dr. J. Aschoff, Leiter des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie in Erling-Andechs an.

Deine Medizinalassistentenzeit absolviertest Du an der II. Medizinischen Klinik der Ludwigs-Maximilians-Universität München und in der Chirurgischen Abteilung des städtischen Krankenhauses München-Harlaching.

Nach Deiner Approbation 1970 wurdest Du zum Stabsarzt befördert.

1971 konntest Du Deine Dissertation am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie Erling-Andechs über das Thema „Circadiane Periodik der Nierenmarkhormone und Nebennierenrindenhormone beim Menschen mit und ohne Zeitgeber“ mit „sehr gut“ abschließen.

Auch diese Arbeit wurde von der NASA gesponsert.

1970 begannst Du Deine Facharzt-Weiterbildungen im Bereich der Neurologie, zunächst an der Universität in Ulm später in der neurologischen Ambulanz in Ulm, im Landeskrankenhaus Bad Schussenried, am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und ab 1978 warst Du, nach Beförderung zum Oberstabsarzt, Oberarzt der Abteilung Neurologie der Universität Ulm.

1978 erhieltst Du den Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und leitetest dann die fachärztliche Untersuchungsstelle Neurologie und Psychiatrie am Bundeswehrkrankenhaus Ulm.

Deine Flugmedizin hattest Du nicht vergessen und so warst Du 1979 in der Ausbildung zum Fliegerarzt am Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck.

Nach Deiner Beförderung zum Oberfeldarzt konntest Du 1980 Deine Habilitation an der klinisch-medizinischen Fakultät der Universität Ulm über das Thema „Hirnpotentiale vor Sprechen. Eine elektroenzephalographische Untersuchung zur funktionellen Lokalisation sowie ein Vergleich mit Hirnpotentialen vor Finger- und Augenbewegungen“ erfolgreich abschließen.

Dein weiterer Weg führte Dich über die Abteilung forensische Psychiatrie der Nervenklinik der Universität München und ab 1981 warst Du leitender Arzt der Abteilung Neurologie und Psychiatrie im Bundeswehrkrankenhaus Ulm, einem akademischen Krankenhaus der Universität Ulm.

Hier bautest Du die Abteilung mit FU Stelle, Bettenstation, klinischer Neurophysiologie Ergotherapie und klinischer Psychologie sowie fachbezogener klinischer Flugmedizin auf und wurdest 1982 zum Oberstarzt befördert.

1988 erfolgte Deine Ernennung zum außerplanmäßigen Professor durch den Minister für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg.

Auf der Jahrestagung der DGLRM in Neubiberg am 29.4.1989 wurdest Du für 3 Jahre zum Präsidenten der DGLRM gewählt

Die auf dieser Tagung verlesene Resolution, die Vorstand und Vorstandsrat am 27. April 1989 beschlossen haben, betraf primär die Problematik in der Nachwuchssituation und die Weiterentwicklung in der Luft- und Raumfahrtmedizin in Deutschland. Die in der Resolution geforderten Lehrstühle sind leider bis heute nicht geschaffen worden.

Als kleine Anmerkung am Rande: Eine Professorenstelle (W2) ist zurzeit von der Mößbauer-Stiftung ausgeschrieben. Man soll die Hoffnung nicht aufgeben.

Wie sich viele von uns erinnern, war 1990 die Wiedervereinigung. Dies warf auch Probleme in allen Bereichen der Luft- und Raumfahrtmedizin auf. Auf Deinem ersten Kongress als Präsident in Ulm 1990 hattest Du Dich darum bemüht, dass die beiden Gesellschaften fusionieren. Leider waren zahlreiche Mitglieder beider Gesellschaften dagegen. Die Gesellschaft für Luft und Raumfahrt Medizin (GLRM) der ehemaligen DDR als solche wurde von Prof. Dr. Papenfuß aufgelöst und so traten einige der Mitglieder, die weiter im Bereich der Luft- und Raumfahrtmedizin tätig waren, in die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin ein.

Auf der gleichen Mitgliederversammlung 1990 konntest Du auch ein Konzept für die Akademie für Flugmedizin vorstellen. Die sich anschließenden Beratungen, Pro und Contras, juristische Beratungen etc. und vor allem die Gespräche mit der Lufthansa, hier besonderer Dank auch Prof. Dr. Uwe Stüben, führten unter Deiner Leitung und Führung zu einem positiven Bericht auf der Jahrestagung 1991.

Die von der Deutschen Akademie für Flug- und Reisemedizin (DAF) generierten Überschüsse machen es möglich, im Rahmen der Jahrestagung für die Forschung einen der höchst dotierten Preise im Bereich Luft- und Raumfahrtmedizin durch den Geschäftsführer der DAF verleihen zu können.

Seit 1990 bis zu dessen Auflösung warst Du ordentliches Mitglied im fliegerärztlichen Ausschuss des Bundesministers für Verkehr.

Im gleichen Jahr bekamst Du die Zusatzbezeichnung Flugmedizin.

Ein großes Verdienst war auch die Weiterführung bzw. Wiederaufnahme der fliegerärztlichen Fortbildung in Theorie und Praxis gemeinsam mit Professor Dr. Uwe Stüben im Jahr 1995. Ihr entschiedet Euch für Saint Auban, südlich von Grenoble im Durance Tal nahe der See Alpen. In den jeweiligen zweiwöchigen Schulungen hast Du die Teilnehmer sowohl in Theorie wie in Praxis gemeinsam mit anderen Fliegerärzten, die Dir zur Seite standen, aus- und weitergebildet. Es gelang Dir, bei der Landesärztekammer Hessen die Fortbildung anerkannt zu bekommen und entsprechende Punkte dafür vergeben zu können. Inzwischen gibt es auch Weiterbildungsstunden vom Luftfahrtbundesamt auf Anfrage gegen Gebühr.

Ich selbst hatte in späteren Jahren während meiner Präsidentschaft die Möglichkeit, Dich und die Lehrgangsteilnehmer einige Tage in Saint Auban auch von Dir oft „Sauban“ genannt, zu besuchen. Ich war wirklich von Eurem Engagement und dem Umfeld sehr beeindruckt.

Hier gebührt Dir und den Beteiligten, besonders Professor Dr. Uwe Stüben, Deinen Nachfolgern Jürgen Knüppel, Dr. Thomas Buchsein, Dr. Heiko Wassill und Dr. Martin Gräf besonderer Dank.

Anerkennenswert ist natürlich, dass Deine Gattin Ulla Dich bei der Organisation und Durchführung jahrelang unterstützt hat.

Während Deiner langjährigen Bundeswehrzeit hattest Du zahlreiche Mitflüge unter Einsatzbedingungen auf den Waffensystemen Alpha-Jet, TF-104 G Starfighter u.a. bei Kunstflug, Nachtflug, Mach 2 run, Tiefflug, Tragen von BIF-Brille in UH 1 D, Transall C 160 und sammeltest Cockpit-Erfahrung in großen Verkehrsflugzeugen u.a. bei Flügen über mehrere Zeitzonen im Airbus A 310, A320 und Boeing 747.

Privat hieltest Du bis vor kurzem die Privatpilotenlizenzen für Motorflugzeuge und Segelflieger.

Im Segelflug hast Du 2 sogenannte Diamantenbedingungen erfüllt und bist mit Motorflugzeugen bei Auslandsflügen viele Stunden als verantwortlicher Luftfahrzeugführer geflogen.

Am 01.04.1999 gingst Du in den wohlverdienten „Un“-Ruhestand wo Du weiter Deinen fliegerischen Ambitionen frönen konntest.

Die Neurologie und Psychiatrie wolltest Du aber auch nicht aufgeben und so warst Du lange Jahre als Consultant beim Medizinischen Dienst der Lufthansa.

Hier bist Du inzwischen ausgeschieden, aber noch bei der Deutschen Akademie für Flugmedizin als Referent tätig.

Zur Vergabe der Ehrennadel der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin (DGLRM) ist anzumerken, dass Deine Verdienste sowohl im Engagement als Mitglied des Vorstandes und Vorstandsrates, Leitung einer Arbeitsgruppe, Herausgabe von wissenschaftlichen Publikationen und Präsentationen im Rahmen der DGLRM Tagungen, Gewinnung von neuen Mitgliedern und Gestaltung und Organisation sowie Leitung von Jahrestagungen, Repräsentation auf internationalen Tagungen mit Vorträgen bestehen.

Wir alle hier wünschen Dir noch viel Schaffenskraft und Wohlergehen für den privaten und fachbezogenen Bereich und gratulieren zu dieser Auszeichnung ganz herzlich.“

Dr. med. Torsten M. Pippig, OTA

Präsident der DGLRM e.V.

 

Anschrift

DGLRM e.V., Niels Adams, Postfach 41 02 04, 50862 Köln

geschaeftsstelle[at]dglrm.de

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